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Die Herz-Lungen-Maschine: Was während der Operation wirklich passiert

Von Dr. Svante Zipfel, Herzchirurg · Fachlich verantwortete Patienteninformation · Lesezeit ca. 6 Min.

„Ihr Herz wird während der Operation angehalten." Kaum ein Satz aus dem Aufklärungsgespräch löst mehr Angst aus. Dabei ist die Herz-Lungen-Maschine seit über 70 Jahren medizinische Routine – und der Grund, warum Herzoperationen überhaupt so sicher geworden sind.

Warum das Herz überhaupt stillstehen muss

Herzkranzgefäße haben einen Durchmesser von etwa zwei Millimetern. An einem Gefäß dieser Größe lässt sich nicht präzise nähen, während es sich sechzig Mal pro Minute bewegt. Damit die Chirurgin exakt arbeiten kann, wird das Herz vorübergehend angehalten – geschützt durch eine spezielle kalte Lösung (Kardioplegie), die den Herzmuskel in eine Art Winterschlaf versetzt und seinen Sauerstoffbedarf auf ein Minimum senkt.

Was die Maschine übernimmt: alles – und lückenlos

Während das Herz ruht, übernimmt die Herz-Lungen-Maschine dessen komplette Arbeit und zusätzlich die der Lunge: Sie leitet das Blut um, bevor es das Herz erreicht, reichert es mit Sauerstoff an und pumpt es zurück in den Körper. Das Entscheidende: Ihr Kreislauf läuft die ganze Zeit weiter. Gehirn, Nieren, Leber – alle Organe werden ununterbrochen durchblutet und versorgt. Nichts wird „abgeschaltet". Ihr Blut nimmt lediglich für einige Stunden einen sicheren Umweg.

Gut zu wissen: Die Maschine wird von einem eigenen Spezialisten bedient – dem Kardiotechniker. Er tut während der gesamten Operation nichts anderes, als Ihre Kreislaufwerte zu überwachen und zu steuern. Ihr Kreislauf hat also einen eigenen Vollzeit-Verantwortlichen.

„Bin ich dann tot?" – Nein. Und hier ist der Unterschied

Tod ist das unumkehrbare Ende aller Organfunktionen. Bei Ihnen läuft der Kreislauf durchgehend, Ihr Gehirn wird durchgehend versorgt, Ihre Narkose wird durchgehend gesteuert und überwacht. Sie sind in tiefem, kontrolliertem Schlaf – nicht mehr und nicht weniger. Sie werden von alldem nichts wissen, nichts spüren und nichts erinnern.

„Was, wenn das Herz nicht wieder anspringt?"

Am Ende der Operation wird das Herz wieder normal durchblutet – und beginnt in aller Regel von selbst wieder zu schlagen. Es „will" schlagen; das ist seine Natur. Falls es zögert, hilft ein kleiner elektrischer Impuls nach – ein Standardmanöver, auf das das Team vorbereitet ist und das zum normalen Repertoire jeder Herzoperation gehört.

Operationen ohne Herz-Lungen-Maschine: „Off-Pump"

Manche Bypass-Operationen werden am schlagenden Herzen durchgeführt. Dabei wird nur der Herzabschnitt, an dem gerade genäht wird, mit einem Stabilisator ruhiggestellt. Ob das für Sie infrage kommt, hängt von Ihrem Befund und der Erfahrung des Zentrums ab – beide Verfahren liefern in geübten Händen sehr gute Ergebnisse. Es ist eine völlig legitime Frage für Ihr Aufklärungsgespräch: „Wird bei mir mit oder ohne Herz-Lungen-Maschine operiert – und warum?"

Das Fazit für Ihre Angst

Die Herz-Lungen-Maschine ist kein Risiko, das man tapfer erträgt – sie ist die Sicherheitstechnik, die dem Operationsteam ein ruhiges, präzises Arbeitsfeld verschafft. Millionen Menschen weltweit sind mit ihr operiert worden. Wer versteht, was sie tut, nimmt der größten Angst vor der Herz-OP ihre Macht.

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Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Patienteninformation und versteht sich als Begleitung und Unterstützung. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung und nicht das persönliche Aufklärungsgespräch mit dem behandelnden Arzt. Alle Angaben sind Orientierungswerte; verbindlich ist stets die Einschätzung Ihres Behandlungsteams. Bei akuten Beschwerden wählen Sie den Notruf 112.